5 Fragen an… Oliver Plaschka

Nicole Glücklich

Oliver Plaschka, Jahrgang 1975, studierte Anglistik und Ethnologie in Heidelberg. Er ist Verfasser, Herausgeber und Übersetzer einer Handvoll Geschichten und schreibt Romane, wenn niemand hinsieht. Sein Herz schlägt für alle Spielarten der Phantastik, was man mittlerweile auch in seiner Dissertation nachlesen kann. Wenn er sich nicht gerade in fernen Ländern herumtreibt, lebt Oliver Plaschka in Speyer, einer kleinen und alten Stadt, die er für unterschätzt hält.

Ein Sherlock-Holmes-Pastiche von ihm ist in der demnächst erscheinenden Anthologie „Sherlock Holmes — Der verwunschene Schädel“ zu finden.

1) Erinnern Sie sich noch, wann Sie Sherlock Holmes zum ersten mal gelesen haben?

Welches Abenteuer war dies und was hat Ihnen damals besonders gut gefallen?

Ich weiß nicht mehr genau, was das erste war, weil ich schon als Kind gekürzte Fassungen besaß, aber „The Speckled Band“ ist immer wieder aufgetaucht. Irgendwann habe ich es selbst mal im Nachhilfeunterricht als Lektüre für einen meiner Schüler herangezogen. Es eignet sich ganz gut dafür, weil Holmes hier seine typischen Fähigkeiten zur Schau stellt.

2) Lesen Sie heute noch Sherlock Holmes Abenteuer?

Ich komme leider nicht mehr so oft zum Lesen wie früher, und habe auch nicht mehr den Ehrgeiz, wirklich alle Sherlock-Holmes-Abenteuer zu lesen (so wie ich mal alle Lovecraft-Geschichten gelesen habe). Vor ein paar Jahren hatte ich aber eine Phase, in der ich gezielt die kanonischen Geschichten nach den Original-Charakteren durchforstet habe, die seither in Pastichen und Filmen immer größeren Raum gewonnen haben: Professor Moriarty, Irene Adler …

3) Was verbinden Sie mit Sherlock Holmes und Dr. John H. Watson?

Vor allem Kindheitserinnerungen an die alten Schwarzweißfilme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce, die, wenn ich mich recht entsinne, damals in einem der dritten Programme liefen und mir ungemein profund und düster vorkamen. Vielleicht neigt der Watson meiner Geschichte deshalb auch eher in die Richtung des gemütlichen Freundes, weniger des kampfbereiten Recken.

Meine persönlichste Verbindung ist aber wahrscheinlich, dass in Peter S. Beagle wunderbarer Pastiche „Mr. Sigerson“ (in Michael Kurlands „The Hidden Years“) eine Dame meinen Familiennamen trägt. Deshalb reist Holmes in „Der verwunschene Schädel“ auch unter demselben Alias, „Oscar Sigerson“, wie dort.

4) 1887 erschien das erste Sherlock Holmes Abenteuer. Was denken Sie: Warum ist der berühmte Meisterdetektiv heute noch so populär?

Die Figur ist eine Mischung, die gut aufgeht, und immer wieder kopiert wurde: Das eigenbrötlerische Genie mit dem überlegenen Intellekt, das aber auch charakterliche Schwächen hat, vor allem seine leichte Arroganz und seine Drogensucht. Natürlich kann man darüber streiten, wie stark man das betonen möchte, aber Helden mit Fehlern sind immer interessanter als tadellose Übermenschen. Dann wächst er natürlich auch seiner Freundschaft zu Dr. Watson; Holmes ist immer nur so stark wie diese andere Figur, an der er sich reiben kann.

5) Basil Rathbone, Jeremy Brett – aber auch Peter Cushing, Roger Moore, Hans Albers, Ian Richardson, Robert Downey Jr. und viele andere mehr.
Welcher Schauspieler oder welche Verfilmung gefällt Ihnen besonders?

Von den alten Filmen habe ich ja schon erzählt. Ich muss sagen, Robert Downey Jr. hat mir auch sehr gut gefallen; besser jedenfalls als Daniel Craig als James Bond. Ich bin sehr gespannt, was da noch alles kommt.

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