Die Neue Bühne Darmstadt zeigt…

dtshges
Das können ja nur Sherlock Holmes und Dr. Watson sein – oder doch nicht…?
Die Neue Bühne Darmstadt zeigt grandiose Fassung von „Der Mann, der Sherlock Holmes war“

ein Bericht von Tobias Weskamp

„Wir zwei, wir zwei, wir schaffen das“ – Auf den Spuren von Hans Albers und Heinz Rühmann wandelt derzeit das Ensemble der Neuen Bühne in Darmstadt – und die DSHG war Zeuge: Eine zehnköpfige Gruppe aus Regulars und Irregulars besuchte gespannt eine Vorstellung von „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ – und sie wurde nicht enttäuscht.
Für die zwei englischen Detektive Morris Flynn (Axel Raether) und Mackie McPherson (Rainer Poser) laufen die Geschäfte in ihrer kleinen Detektei Argus nicht gerade rosig. Um endlich einen Fall an Land zu ziehen, verkleiden sie sich als Sherlock Holmes und Dr. Watson. Für ihren großen Auftritt halten sie wagemutig den Nachtzug nach Brüssel auf offener Strecke an und werden vom Bahnpersonal tatsächlich für die berühmten Romanhelden gehalten. Auch zwei angebliche Lords fallen auf ihre Verkleidung herein und flüchten aus dem Zug. Im Zug machen Morris und Mackie zudem die Bekanntschaft der Schwestern Mary (Jennifer Flaczek) und Jane Berry (Sabrina Czink). Durch viel Glück und mit noch mehr Chuzpe gelangen Morris und Mackie in der belgischen Hauptstadt schließlich an einen großen Fall: Sie sollen einige der wertvollsten Briefmarken der Welt aufspüren. Die Ausstellungsstücke der Weltausstellung wurden durch Fälschungen ersetzt! Jetzt haben die beiden Detektive wirklich ihren Fall, an dem sie sich beweisen können. Dabei kommen sie der gerissenen Claudette Ganymare (Gabriela Reinitzer) in die Quere, die schon bald versucht, sich mithilfe ihrer Handlanger Jacques (Bianca Weidenbusch) und Jules (Dominik Gierscher), den „Lords“, der beiden Herren zu entledigen.
Die Geschichte in der Inszenierung von Renate Renken hält sich an die gleichnamige filmische Vorlage von 1937, greift aber auch genug eigene Ideen auf. So wird etwa Madame Ganymare als Erpresserin gezeigt. Auch Morris‘ und Mackies erfolgloses Privatdetektivdasein wird bildlich vor Augen geführt. Unter der musikalischen Leitung von Heike Pallas singen die Darsteller zahlreiche Songs, in denen sie die Handlung vorantreiben. Das Bühnenbild mitten im Raum besteht neben wenigen Requisiten wie Tischen oder Vasen lediglich aus schmalen Trennwänden. Dies ist aber kein Manko, im Gegenteil. In kurzen Dunkelphasen werden die Wände von den Schauspielern verschoben und bilden mal den Nachtexpress, mal eine Hotellobby, mal den Unterschlupf der Gaunerbande – schneller, als es üppig dekorierte Kulissen könnten. Und durch das sichere Spielen des Ensembles fühlt man sich so in das Geschehen hineinversetzt, dass man nichts vermisst.
Die Darsteller agieren sicher und gekonnt in ihren Rollen. Mehr als einmal fühlt man sich direkt in das Geschehen versetzt. Axel Raether spielte einen energischen und selbstsicheren „Holmes“. Rainer Poser ist als Mackie zaghafter als ein Freund und Kollege, darf aber auch zeigen, was er draufhat, Stichwort: „Jetzt ist Mackie dran“ singt er, als es auf ihn ankommt. Jennifer Flaczek spielt Mary Berry als erst zaghafte, dann aber mutige Frau, die den beiden Detektiven tapfer zur Seite steht. Ihre Schwester Jane, von Sabrina Czink verkörpert, ist dagegen aus anderem Holz geschnitzt und sehnt sich nach einem glamourösen Leben. Bianca Weidenbusch als Jacques und Dominik Gierscher als Jules sorgten für zahlreiche komödiantische Einlagen. Von Claudette Ganymare (schön sinister gespielt von Gabriela Reinitzer) wurden sie regelmäßig verwechselt („Jacques und Jules – oder Jules und Jacques? Ach, was macht das schon?!“). Einige Rollen wie die von Jacques und Jules wurden erweitert, andere zusammengefasst: Claudette Ganymare führt die Bande, die lediglich aus den „Lords“ besteht, entgegen dem Film alleine.
Verhungern musste kein Besucher. Vor Beginn und während der Pause gab es unter dem Titel „Speisen im Nachtexpress“ leckere Gerichte wie Dampflok (Roastbeef) oder Cauliflower Smile (Blumenkohl mit Ofenkartoffeln). Der Clou: Die Darsteller selbst bedienten die Gäste! Man bekam sein Essen also unter anderem von Morris Flynn, Madame Ganymare oder Jacques höchstpersönlich serviert.
Der Besuch des Stücks lohnt sich auf jeden Fall, Spannung, Lachen und großartige Songs sind garantiert. Die Musik-Komödie wurde von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg nach dem gleichnamigen UFA-Film (Buch: R. A. Stemmle und Karl Hartl) verfasst. Für die Neue Bühne wurde die Handlung wie erwähnt etwas verändert. Auch der Schluss ist gegenüber dem Film (und der Neuinszenierung durch Schubring und Adenberg) leicht abgeändert, daher soll an dieser Stelle nicht allzu viel darüber verraten werden. Nur so viel: Der Kreis schließt sich…
Das Stück ist beinahe komplett ausgebucht. Mit etwas Glück könnt ihr auf www.neue-buehne.de noch Karten für einen der Termine im Juni ergattern.
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