Die Schnecken von Eastwick

dtshges
Sherlock Holmes und die Schnecken von Eastwick
Eine Einschätzung des Besuches im Dresdner Boulevardtheater
ein Beitrag von Uwe Rödel
Über das Stück ist zwar schon fast alles gesagt, aber noch nicht von jedem – deshalb nun meine Ein-schätzung des sonntäglichen Besuchs bei Sherlock Holmes im Dresdner Boulevardtheater.
Als Mitglied der Deutschen-Sherlock-Holmes-Gesellschaft geht man vielleicht mit anderen Vorstellungen in ein Stück mit diesem Titel als andere Besucher. Aber wirklich für alle wird etwas geboten. Ohne jegliche SH-Vorkenntnisse bekommt man Boulevardunterhaltung vom Feinsten, wenn man Freund des old-school-Kanons ist, wie ich – freut man sich zusätzlich über die eingestreuten Zitate, für Cumberbatch-Anhänger gibt es einen SHERLOCK-Darsteller, der in Statur, Mimik und Auftreten dem BBC-Holmes sehr ähnlich ist. Abschließend gibt es für die Guy-Ritchie-Enthusiasten noch die Titel-Musik, die eine akustische Verbindung zu bisherigen Produktionen aufbauen kann. Überhaupt greift Andreas Goldmann mit seinen vier Stücken Traditionals auf, bearbeitet sie (außer der Ouvertüre, diese wurde komplett von ihm komponiert) und bringt sie hervorragend in das Stück ein, um eine gelungene Atmosphäre zu erzeugen.
Die Handlung ist nicht unbedingt ein tiefgreifender Kriminalfall, der eine anstrengende Deduktion notwendig macht, wobei geschickt ausgelegte Red-Herings mehrere Alternativen zulassen können. Jedoch lag das wohl auch nie in der Intension des Autors Michael Kuhn (aus dessen Feder u.a. auch die Stücke um die Hexe Baba Jaga stammen), Unterhaltung und Spaß standen im Vordergrund. Diese wurden sehr gekonnt gestaltet, wie auch in der Regie von Olaf Becker umgesetzt. Die Kostüme bilden ein rauschendes viktorianisches Fest, während das Bühnenbild in seinem Aufbau keine Wünsche offen lässt. Während die Bibliothek des Anwesens von Eastwick (das Kleinhirn arbeitet in der Erinnerung, bis einem der Film um die Hexen von Eastwick aus dem Jahr 1987 einfällt) über die gesamte Spielzeit gleich bleibt, bilden doch die verschiedenen Perspektiven (Freitreppe und Empore; Zugang zum Wintergarten, wandhohe Bücherregale und der unvermeidliche Kamin) eine Dynamik die deutlich Bewegung in das Kammerspiel bringen. Der Ruhepol wird mit der Chesterfield-Couchgarnitur auf der Bühne gegeben.
Während die Klarnamen von Sherlock Holmes, Dr. Watson und Mrs. Hudson keiner Verdrehung bedurften, wurden die anderen Darsteller schon mit Knoblauch-Schnecke, Faltengesäß, Amsel, Rehauge und Wurzelpeter betitelt (nomen est omen) – was natürlich im charmanten Oxford-Englisch einen ganz besonderen Klang erhält. Alle Darsteller geben alles, was von ihnen erwartet wird: ein distinguierter Holmes (B. Schwiebert), eine bodenständige Mrs. Hudson (K. Jaehne), ein toter Earl of Eastwick (S. Schill/R. Martin), eine undurchsichtige Countess of Eastwick (D. Krüger) und deren aristokratische Mutter Countess of Marlborough (M. Hildebrand). Der zweite Personenkreis wird um einen zurückhaltenden Gärtner (S. Schill/R. Martin), ein lockeres Hausmädchen (S. Gebert), eine attraktive Köchin (I. Raytman) und einen quirligen Dr. Watson (R. Geisler) abgerundet. An die Art und Weise der Darstellung des Doktors muss man sich erst gewöhnen, da er jedoch die Handlung vorantreibt und sich als Erzähler auch hier und da an das Publikum wendet, ist die Scheu schnell überwunden.
Wer ein Freund von gelungener Unterhaltung ist und wer Holmes in gewohnter Umgebung erleben möchte, dem seien diese zwei Stunden im Dresdner Boulevardtheater wärmstens ans Herz gelegt. Tickets für die Spielzeit vom 2.-8. Oktober 2017 gibt es unter www.boulevardtheater.de/sherlock 
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