Escape Sherlock

dtshges
SHERLOCKROOMS
Eine Einschätzung des Besuches im LIVE ESCAPE GAMES LEIPZIG
ein Beitrag von Uwe Rödel
Das erste Live Escape Spiel entstand 2007 in Japan. In Deutschland etablierte sich der erste kommerzielle Anbieter 2013 in München. Gegenwärtig (Stand Februar 2017) gibt es 208 deutsche Anbieter in 90 Städten mit 426 einzelnen Spielräumen. Im Leipziger Nord-Osten, in der Hermann-Liebmann-Straße besuchten wir die Spielstätte, die speziell SHERLOCK-Fans ansprechen möchte. Auch auf der Homepage https://www.sherlock-rooms.de/EscapeRooms werden explizit zwei Storys um Sherlock Holmes, dessen Wohnzimmer den ersten Raum darstellen soll, und Prof. Moriartys Testament (Raum 2) gestaltet. Es soll hier weder um das System gehen, noch um die Rätsel selbst. Allerdings möchte ich erläutern wieviel SHERLOCK letztendlich in den Leipziger SHERLOCKROOMS steckt.
Gebucht wurde übers Internet, die Antwort erfolgte schnell und auch das Zeitfenster, in welchem die beiden Räume zu besuchen sind, konnte unkompliziert gefunden werden.
Jetzt hieß es nur noch Tweed-Jackett angezogen, Taschenuhr und Lupe eingesteckt und mit dem Deerstalker auf dem Kopf nach Leipzig. Der äußere Eindruck des Gebäudes überzeugte wenig, jedoch zumindest der Schriftzug im Oberlicht der Eingangstüre bedeutete uns an der richtigen Adresse zu sein. Der Empfangsraum war mit gebrauchten Sitzmöbeln ausgestattet, welche ihre beste Zeit schon (mindestens seit 1976) hinter sich hatten. Über eine Theke wurde Getränken gereicht, Wasser stand auf den Tischen. Teilweise unverputzte Wände und ein spartanischer Fußboden ließen den Charme zwischen Studentenunterkunft und Obdachlosenasyl aufkommen. Jedoch verhieß auch im Innern ein Leinwanddruck mit Sidney Pagets „Tod von Sherlock Holmes 1893“, dass wir richtig waren.
Die Spielleiterin begrüßte uns, erläuterte die technische Handhabung der Flucht, wie auch die Rahmenstory zur Aufgabe. Besonders niedlich fand ich, dass sie meinen Deerstalker bemerkte und sich mit den Worten äußerte: „Das ist ein Zufall – diese Mütze passt heute gut dazu.“
In Sherlocks Wohnzimmer erinnerten uns ein Bowlerhut und ein Deerstalker aus dem Faschingsversand, wo wir uns spirituell befanden. Sonstige – auch sehr weit ausgeholte – Ähnlichkeiten leider ausgeschlossen. Wenn schon kein persischer Pantoffel am Kamin, dann wäre doch wenigstens eine Kaminumrandung wünschenswert gewesen. Der erste Raum wurde von uns im angegebenen Zeitlimit von 60min nicht geschafft. Wir verpassten es um knapp 3min, da … Nein, keine Erklärung. Wir haben versprochen nicht zu spoilern.
Auch für den zweiten Raum „Moriartys Testament“ gab es vorher eine kurze Erläuterung inklusive Rahmenstory. Er war von der Einrichtung noch karger und schlichter. Jedoch waren hier die Denksportaufgaben anspruchsvoller. Die Zeitvorgabe wurde eingehalten und somit wurde der Schlüssel zur Flucht (escape) für uns nach 57min greifbar.
Fazit:
Es besteht für beide escape-rooms, auch bei viel gutem Willen, keine Sherlock-Holmes-Verbindung in irgendeiner Art und Weise. Im 1. Raum wurden die eingesetzten Möbelstücke wurden durch schräg aufgesetzte Vorhängeschlösser, herausstehende Schrauben oder aufgenagelte Kabel teilweise sehr traurig entstellt. Der 2. Raum wurde mit mehr technischer Raffinesse ausgestattet und verlangt deutlich mehr Aktion von den Teilnehmern. Ob allerdings die beiden Spielleiterinnen überhaupt einen Bezug zu den Namensgebern der beiden Räume hatten, blieb schleierhaft. Für eine 3-Personen-Buchung, wie in unserem Fall, darf man von Montag bis Donnerstag 55,00 Euro einplanen, während der Preis von Freitag bis Sonn-/Feiertags auf 65,00 Euro steigt. Da ist dann der Kaffee mit 1,50 Euro/Tasse aber noch nicht dabei.
Die Einrichter der virtuellen Welt (Internetpräsenz) sind den Einrichtern der realen Räume um Lichtjahre voraus und versprechen deutlich mehr, als dann gehalten werden kann. Für Leipziger und Gäste aus der näheren Umgebung bestimmt eine Abwechslung, für Gäste mit einem weiteren Anfahrtsweg eher eine fragwürdige Enttäuschung.
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