Holmes und Watson treffen Kara und Halef

dtshges

„Der persische Pantoffel“ feierte Live-Hörspielpremiere in Osnabrück

Eine tolle Liveaufführung des Sherlock-Holmes-meets-Kara-Ben-Nemsi-Hörspiels „Der persische Pantoffel“ gab es unlängst in Osnabrück. Peter Wayand hatte die Geschichte bereits als Prosaform fertiggestellt; sie erschien als Beilage des Baker Street Chronicles im Frühjahr. Jetzt gab es die Hörspielpremiere von PuzzleCat Entertainment – und das auf der Bühne!

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: Sherlock Holmes und Karl May alias Kara Ben Nemsi trafen beim Schah von Persien aufeinander. Spannend decken Kara, Sherlock, Halef und weitere Mitstreiter im Jahr 1893 ein Komplott auf, während sich der britische Meisterdetektiv und sein Adlatus Watson einige Jahre später mit den – tödlichen – Folgen der damaligen Ereignisse konfrontiert sehen…

Sprecher Gerd Haas und Peter Wayand gaben gewohnt souverän, aber ohne Abnutzungserscheinungen ihre gewohnten Rollen als Ermittlerduo Holmes und Watson. Haas spricht den Meisterdetektiv überlegen und mit Arroganz, lässt aber auch immer wieder Holmes‘ Humor durchblitzen. Wayands Watson ist dem Detektiv zwar – wie nahezu jeder – unterlegen, bietet ihm verbal aber oft genug Paroli. Und Reimund Becker machte als besonnener und fähiger, aber keineswegs arroganter Kara Ben Nemsi eine gute Figur. Passend verlieh er der May’schen Inkarnation seine Stimme.

Die Basis der Geschichte bildete Mays Werk „Im Reiche des silbernen Löwen“, Band III, nach dessen abenteuerlichem Anfang May mehr in die Symbolik seines Alterswerkes hinüberging. Die Geschichte ist spannend und nachvollziehbar aufgebaut. Einiges ahnt man gemeinsam mit Sherlock und Kara, andere Wendungen kommen völlig unerwartet.

„Ganz nebenbei“ erfährt der May-Fan, was eigentlich aus Sir David Lindsay geworden ist, der nach dem Treffen in Basra, das am Anfang des Hörspiels steht und die Zuhörer einführte, für immer aus Karl Mays Werk verschwand. Die Rolle musste übrigens kurzfristig umbesetzt werden, was man aber nicht merkte. Werner Wilkening fügte sich problemlos ins Ensemble ein.

Die Stimmen passten perfekt, aber auch die Techniker gaben alles. Das Team von PuzzleCat Entertainment hat sich vor und auf der Bühne richtig Mühe gegeben und alle Register gezogen – auch in einer unfreiwilligen kurzen Pause, in der gekonnt improvisiert wurde. Holmes (Gerd Haas) und Watson (Peter Wayand) frotzelten über den ungeheuer großen militärischen Einsatz, den der gute Doktor für das Königreich gegeben hatte („Eine Schlacht habe ich durchgehalten.“). Man merkte, dass das Team Erfahrung hat.

Obwohl sie meiner Einschätzung nach mehr verdient gehabt hätte, fand die Aufführung nur vor knapp 20 Besuchern statt, die sich aber, wie die Reaktionen zeigten, bestens unterhalten fühlten. Für etwa 55 wäre Platz gewesen. Woran es liegt weiß ich nicht, aber sicher hätte dieses ambitionierte Projekt, das als eines der ersten die Welten von Arthur Conan Doyle und Karl May verbindet, größere Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Links: http://www.puzzlecat-entertainment.de
Hier geht es zum Hörspiel: https://www.youtube.com/watch?v=G0PUOmlm7yw&feature=youtu.be&fbclid=IwAR06rxaYMirrxHDmyGFDuRLCumUMcHgkNylfOYU6dNV3BUuQnvEUQXNdJkU

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