Jahrmarkt anno dazumal 2011

Categories:Veranstaltungen
Nicole Glücklich

23.4. bis 1.5., täglich 10-19 Uhr  im LVR Kommern-Mechernich

Von der Kaiserzeit bis in die 1960er-Jahre

Der 16. Jahrmarkt anno dazumal lädt wieder zu einem Streifzug durch die Geschichte des öffentlichen Volksvergnügens sein. Den Kern bildet eine „Kirmes der Kaiserzeit”. Sie erinnert an die erste Blütezeit des neuzeitlichen, technisierten Schaustellergewerbes, die nach 1880 begann und mit Ausbruch des I. Weltkrieges endete. Hier werden unter anderem ein Springpferdekarussell und eine Bude mit mechanischen Schießscheiben aus dem späten 19. Jahrhundert ebenso zu bestaunen sein wie ein „Welt-Panoptikum” mit kuriosen Wachsmodellen. An den Jahrmarkt-Wochenenden werden Akteure in Rollenspielen gesellschaftliche Ereignisse der Kaiserzeit nachempfinden: So werden „Unruhen” zwischen „Kaisertreuen” und „aufmüpfigen Demokraten”, die im Jahrmarkt-Gewühl vor der Bierbude aneinander geraten, nicht auszuschließen sein…

Die Entwicklungen der Vergnügungskultur ab den 1920er-Jahren spiegelt der übrige Jahrmarkt wider: Eine „Russische Schaukel” und ein mit fliegenden Schwänen bestücktes Kettenkarussell aus den Zwanzigern sowie Deutschlands älteste noch reisende Raupenbahn, Baujahr 1926, repräsentieren das Wiederaufblühen des Schaustellergewerbes im Zuge des damaligen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs.

Aus der Zeit nach dem II. Weltkrieg und den frühen Wirtschaftswunderjahren stammen eine der schönsten noch ganz im Original erhaltenen Geisterbahnen und ein Kinder-Sportkarussell. Seine Wiederauferstehung auf einem öffentlichen Festplatz feiert in diesem Jahr ein Auto-Selbstfahrer mit Holzpfostenkonstruktion aus der Zeit um 1950, der nach jahrelanger Restaurierung rechtzeitig für den Jahrmarkt anno dazumal fertig geworden ist.

Schaudarbietungen

Wie immer besticht auch der diesjährige Jahrmarkt anno dazumal durch ein vielfältiges Angebot an Schaudarbietungen im eigentlichen Wortsinn. „Die Frau ohne Kopf”, „Miss Volta” und „Die Dame ohne Unterleib” gehören als Klassiker der Illusion zum Repertoire des Wander-Varietés, das auf dem Jahrmarkt sein Zelt aufschlagen wird. Hier wird auch – als Nummer aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – die Enthauptung von Personen aus dem Publikum auf der französischen Guillotine vollzogen – ein Trick, der sonst nur noch auf dem Münchner Oktoberfest zu sehen ist.

Nur auf dem Jahrmarkt anno dazumal gibt es noch die Freiluft-Arena. Sie erinnert an die artistischen Darbietungen, mit denen so genannte „Komödianten” bis in die 1960er-Jahre auf Jahrmärkten auftraten. In der Arena werden Tseng-Hai und Bilinda Sun in ihrer China-Schau auch den weltberühmten traditionellen Zopfhang zeigen, den heute kaum ein Artist mehr beherrscht. Die aus einer alten ungarischen Artistenfamilie stammende Maria Eleky wird in der Arena mit Antipoden-Darbietungen an die Kunst ihres berühmten Großvaters Géza anknüpfen.

Eine akrobatische Achterbahnfahrt, Schwindel erregend und sensationell zugleich, wird der Amerikaner Noah Chorny unternehmen. Zu tief ins Glas geschaut, beschließt er, eine Straßenlaterne zu erklettern und anzuzünden, die noch wackeliger auf den Beinen ist als er selbst. Nicht weniger waghalsig geht es zu, wenn Gilbert aus Frankreich seine Flohdame Fifine mit Salto Mortale von einem schwankenden Turm ins Wasserbassin springen lässt. Gilbert kommt aber auch mit einer neuen Darbietung auf den Jahrmarkt, die an die Kunst des „Petomanen” Joseph Pujol (1857 – 1945) erinnert: Gilbert wird körpereigenes Methan entzünden und erklären, wie damit ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden kann…

Beschaulich-schaurig-schön geht es derweil bei Peter Hunziker zu. Der Schweizer ist einer der wenigen noch auftretenden Bänkelsänger Europas. Wie in der Blütezeit vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg wird er seine auf Leinwand gemalten Moritatenbilder ausrollen und, begleitet vom Klang wertvoller Drehorgeln, dazu die Geschichten singen.

Erstmals dabei ist das Puppentheater Sternkundt mit großer, gründerzeitlicher Bühne und wertvollen Puppen aus Handarbeit. In wechselndem, jeweils rund 20minütigem Programm aus Märchen, Sagen und eigenen phantasievollen Stücken entführen sie Klein und Groß in Traumwelten.

Eine der ganz großen Attraktionen kommt in diesem Jahr aus Spanien: Mit der „Feria de los imposibles”, dem „Jahrmarkt der Unmöglichkeiten” präsentiert die Truppe Civi-Civiac im historischen Tanzsaal des Museums rund 25 skurrile Objekte zum Erkunden und Ausprobieren – Objekte der optischen Täuschung, der Magie…

Viele Spiele, Markthändler und ein traditionelles gastronomisches Angebot

Neben den Karussells sind es vor allem die vielen Spielmöglichkeiten, die besonders die Kinder und deren Väter begeistern werden: Traditionelles Kegel- und Tournikelspiel, Wurfspiele und Armbrustschießen fordern die Geschicklichkeit, beim Hau den Lukas und einem alten französischen Automobil-Spiel können sich die Kräfte messen.

Bonbonmacher, Korbflechterin und weitere Handwerker führen ihre Arbeiten vor, an handverlesenen Ständen werden traditionellen Haushaltswaren, Schmuck, Obstbrände und –weine, Gewürzkräuter, Käse, Töpferwaren und vieles mehr angeboten. Dazwischen bittet die Wahrsagerin zum Handlesen. Lachsräucherei und Fischbude, Wurst- und Pfannkuchenbuden, deftiger Eintopf, rheinische Rievkooche, Elsässer Flammkuchen, Backwaren aus dem Museumsbackofen und die eigens auf den Jahrmarkt abgestimmte Karte traditioneller rheinischer Speisen in der Museumsgastwirtschaft versprechen Gaumenfreuden. 

Platzkonzert am letzten Jahrmarkt-Samstag

Kaiserlichen Besuch erwartet der Jahrmarkt anno dazumal am Samstag, 30. April.
Das Traditions-Musikkorps des I. Garderegiments zu Fuß Potsdam wird aufmarschieren und in zwei Platzkonzerten ein Potpourri aus Märschen, Operetten und bekannten Melodien präsentieren.

Wann sind – erfahrungsgemäß – „ruhigere” Jahrmarkttage und was kostet der Jahrmarktbesuch?

Natürlich ist das Besucheraufkommen wetterabhängig. Der Karsamstag, Dienstag, Mittwoch und Freitag sind oft ruhigere Tage, Ostermontag und letzter Sonntag sind oft die besucherstärksten Tage.

Es gelten die normalen Museumseintrittspreise. Die künstlerisch-artistischen Darbietungen im Freien und im Tanzsaal sind kostenlos, die Eintrittspreise beim Puppentheater und Wander-Varieté moderat. Die Preise an den Schaustellergeschäften liegen in der Regel unter den entsprechenden Preisen auf Kirmessen und Jahrmärkten.

Der Jahrmarkt-Donnerstag ist – wie immer – Familientag. An diesem Tag bieten alle gastronomischen Stände ein Produkt zum Niedrigpreis an, die Preise an den Schaustellergeschäften sind deutlich reduziert.

Quelle und weitere Infos: http://www.kommern.lvr.de/app/Kalender_Kommern/Jahrmarkt+2011.asp

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