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aus Freie Presse, 01.10.2013 – mit freundlicher Genehmigung
Von Julia Keller; Foto: (c) Sven Gleisberg

Arroganz, Neid und Rachsucht stehen im Mittelpunkt der Komödie “Sherlock Holmes’ letzter Fall”, die am Samstag, den 28. September 2013, im nahezu ausverkauften Fritz-Theater Premiere gefeiert hat.

Scharfsinn und Schlagfertigkeit, Bildung und Kultiviertheit – das sind Eigenschaften, die man mit dem Geige spielenden Privatdetektiv Sherlock Holmes – einer fiktiven Figur – verbindet. Doch wie geht es seinen Mitmenschen – Freund wie Feind – in seiner Gegenwart? Wie fühlt es sich für sie an, wenn er doziert, belehrt, sich in den Mittelpunkt drängt und dabei sein Gegenüber nicht nur unterschätzt, sondern erst gar nicht ernst nimmt? Charles Marowitz’ Stück stellt diese Fragen und bietet damit einen neuen Blickwinkel auf die bekannten Figuren, indem er sie aus ihren üblichen Konstellationen herauslöst. Mit Übertreibungen und Zuspitzungen bedient sich Marowitz der Stilmittel der Parodie, verliert jedoch nie den Respekt vor dem Original.

Im Gegenteil, das Drama ist nicht nur gespickt mit Anspielungen auf frühere Fälle des Londoner Ermittlers, sondern kann auch inhaltlich als direkte Fortsetzung der Kurzgeschichten-Serie von Arthur Conan Doyle verstanden werden: Nach dem Tod von Professor Moriarty, Holmes’ gefährlichstem Widersacher, erreicht den Privatdetektiv ein Brief von dessen Sohn, in dem dieser ihm mitteilt, dass die Familie des Toten Blutrache an dem berühmten Briten nehmen wird. Trotz aller Warnungen zur Vorsicht, die sein Freund Doktor Watson ausspricht, wird Holmes Opfer seiner eigenen Eitelkeit und lässt sich von Professor Moriartys Tochter Liza um den Finger wickeln. Im düsteren Keller einer alten Mühle soll er sich mit ihr treffen, doch als er mit Watson dort ankommt, erlebt er eine Überraschung.

Für den Zuschauer ist dies die eine von vielen unerwarteten Wendungen, von denen man die letzte getrost hätte weglassen können, denn die Geschichte ist bereits vor ihr auserzählt. Außerdem hätte ein etwas früherer Schluss dem Zuschauer mehr Interpretationsspielraum gelassen. Trotzdem bereitet die Komödie Freude, denn sie besticht nicht nur durch die originelle Handlung, sondern auch durch Wortwitz und einen flotten Erzählstil. Um das zu schätzen muss man kein Fachmann der Kurzgeschichten sein, denn die meisten Lacher sind aus den Dialogen heraus selbsterklärend und funktionieren deshalb auch ohne die genaue Kenntnis des literarischen Vorbilds.

In der Inszenierung des Fritz-Theaters stellten Frank Höhnerbach als Watson und Hardy Hoosman in der Titelrolle am Samstag ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Höhnerbach schaffte es darüber hinaus, die Seelenwelt des langjährigen Gefährten glaubhaft darzustellen. Auch Julia Berger, Thomas Weidauer und Silvia Klemm konnten in den Nebenrollen überzeugen. Geholfen hat ihnen dabei sicherlich das liebevolle Bühnenbild von Jürgen Siegert. Aber auch die stimmige Inszenierung unter Hoosmans Regie dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben. Denn er lässt die Schauspieler – vor allem die Nebenfiguren – in ihrem Spiel zwar zum Teil übertreiben, um die Komik stärker zuzuspitzen. Dennoch nimmt er alle Charaktere ernst, sodass sie trotzdem nicht wie reine Klischeedarstellungen wirken. Das Publikum im fast ausverkauften Saal dankte dem Ensemble mit begeistertem Applaus.

“Sherlock Holmes’ letzter Fall” Die nächsten Aufführungen stehen am Donnerstag, Freitag und Samstag (03.-05. Oktober 2013) im Spielplan des Fritz-Theaters, Kirchhoffstraße 34. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Am Donnerstag (Theatertag) kostet der Eintritt 10 Euro, sonst 15 Euro (ermäßigt 11 Euro).

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