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aus schwäbische.de, 16.09.2013 – mit freundlicher Genehmigung
Von Lilly Milz; Foto: (c) Lilly Milz

Kressbronn – Die Rollenverteilung im Programm der 2. Kressbronner Krimi-Nächte wurde eindeutig angekündigt: Roland Kalweit als Dr. Watson, Danny Richter als Sherlock Holmes; das Publikum – alle anderen. Und die Programmvorschau hatte nicht übertrieben: Wer geglaubt hatte, man könne sich entspannt zurücklehnen, ein paar Stündchen Schauspiel auf der Bühne erleben und in aller Gemütlichkeit ein Bierchen trinken, hatte sich gewaltig getäuscht.

Das Szenenbild war schlicht gestaltet: Eine schwarz gesäumte Bühne mit einem kleinen Tisch, zwei Ohrensessel und ein Wasserkrug. Holmes und sein Gefährte Dr. Watson warteten auf dem Bahnsteig in London auf ihren Zug nach Edinburgh, wo sie zufällig auf das ebenso wartende Publikum trafen.

Diese Gelegenheit ließen sie sich nicht entgehen und plauderten etwas aus dem Nähtäschchen ihrer letzten beiden Fälle. Der erste Streich, genannt „Die Geschichte um das gefleckte Band“, handelte von einem mysteriösen Mordfall einer gut betuchten Dame, deren aufgelöste Schwester sich hilfesuchend an die beiden Herren wandte. Dr. Watson fungierte gleichzeitig als Erzähler, Akteur und Publikumsclown und versorgte die knapp 30 Anwesenden mit großen und kleinen Lachern.

Spontanität bei Requisiten

In der Requisitenbeschaffung war Spontanität gefragt: „Können Sie nicht mal eben aufstehen und die Tür machen?“, fragte Dr. Watson einen Zuschauer, der sich Sekunden später in gebückter Position auf der Bühne wieder fand. So wurde auch der neue Mikrofonhalter der Festhalle zum Krückstock umgewandelt, eine Dame aus der ersten Reihe spielte die Leiche, zwei der anwesenden Herren wurden zu polizeilichen Co-Ermittlern befördert. Selbst die Tierrollen wurden mehr oder minder freiwillig von einzelnen Zuhörern übernommen – sehr zur Belustigung des Publikums.

Nicht nur die detailgetreue Kleidung der Hauptdarsteller, sondern auch die zeittypische Sprache führten dazu, dass sich jeder Einzelne in die Zeit von Scotland Yard zurückgesetzt fühlte. Sherlock Holmes Fans kamen auf jeden Fall auf ihre Kosten, und kleine Parodien auf „Germany’s next Topmodel“ und „Wer wird Millionär“ würzten das Krimi-Programm. Roland Kalweit und Danny Richter, beides professionelle Schauspieler, ließen die Geschichten um den wohl berühmtesten Ermittler kunstvoll und mit viel Charme neu aufleben.

Leider ließen die Temperaturen in der neuen Halle, so aufheizend das Programm auch gewesen sein mag, alle Besucher trotz Winterjacken frösteln. Wer jedoch warm genug eingepackt war, genoss ein Krimi-Schauspiel vom Feinsten.

Lilly Milz

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