Young Sherlock Holmes Buchreihe

dtshges

Verehrte Leser,

mein Name ist Sherlock, Sherlock Holmes. Ich lebe in der Baker Street 221b in London und arbeite für Scotland Yard. Ohne überheblich sein zu wollen, wage ich zu behaupten, der klügste Kopf meiner Zeit zu sein. Knifflige Fälle zu lösen, ist meine Spezialität.

Oft werde ich gefragt, ob ich schon immer so gewesen bin. Nun, ich kann nicht sagen, ob ich schon von Geburt an ein Genie war, aber mysteriöse Rätsel zu lösen, meine Mitmenschen und meine Umwelt genau zu beobachten und zu analysieren – darin war ich schon immer gut. Spätestens aber seit dem Sommer 1868. In diesem Sommer, ich war gerade vierzehn Jahre alt, hat alles begonnen…

Gez.:Sherlock Holmes

London, März 1891

Nach diesem kurzen Vorwort des Meisterdetektives höchstpersönlich sind wir auch schon sofort mitten im ersten Fall von Young Sherlock Holmes “Der Tod liegt in der Luft” drin und erfahren aus dem Prolog schon, dass eine seltsame Todeswolke ihr Unwesen in Farnham treibt. Für diejenigen unter Ihnen, die ich geschockt aufseufzen höre und schon den Finger zum Umblättern ausgestreckt haben, kann ich Ihnen versichern, dass weder Außerirdische noch sonst irgendwelche unirdischen Begebenheiten in der Geschichte vorkommen, denn es gibt für diese Wolke in der Tat eine sehr logische und rationale Erklärung.

Sherlock weiß davon jedoch noch nichts. Er wartet in seinem Internat darauf, dass ihn der Vater mit der Kutsche für die Sommerferien nach Hause holt. Während er nach der Familienkutsche Ausschau hält, wird er in das Zimmer des Direktors gerufen. Zu seiner Verwunderung trifft er dort auf niemand geringeren als seinen Bruder Mycroft. Dieser teilt dem jungen Sherlock mit, dass ihr Vater mit seinem Regiment nach Indien ausrücken musste, um die dortigen Unruhen zu beenden. Da die Mutter auch angeschlagen ist, kann sich nun während der Ferien niemand um den armen Sherlock kümmern. Mycroft selbst hat erst vor kurzem seinen Job bei der Regierung angetreten und hat dort so viel zu tun, dass er sich nicht auch noch um seinen kleinen Bruder kümmern kann. Sherlock ist natürlich gar nicht begeistert, in seinen Sommerferien zu Onkel Sherrinford und Tante Anna fahren zu müssen, die er noch nie in seinem Leben gesehen hat. Wie man sich natürlich schon vom Namen her denken kann, ist Onkel Sherringford der Bruder von Siger Holmes. Sherlock ist überzeugt, die langweiligsten und schrecklichsten Ferien in seinem ganzen Leben verbringen zu müssen. Schon bei seiner Ankunft wird ihm unmissverständlich von Mrs. Eglantine, der Haushälterin, klargemacht, dass er nicht willkommen ist. Sherlock macht das Beste daraus und bleibt dem Hause so gut es geht fern und hält sich nur zu den Mahlzeiten im Hause auf. Bei einem seiner Streifzüge durch die Gegend freundet er sich mit Matty Arnatt an, einem Waisenjungen der auf einem Hausboot lebt. Matty erzählt seinem neuen Freund natürlich von der Todeswolke, die er mit eigenen Augen gesehen hat, doch Sherlock erklärt sich die Sache als eine optische Täuschung, die Matty gesehen hat.

Sherlock ist zunächst wenig begeistert, als ihm Onkel Sherringford mitteilt, dass er einen Hauslehrer für die Schulferien für ihn angestellt hat. Doch dieser Amyus Crowe, der auf Mycrofts Empfehlung eingestellt wurde, ist alles andere als ein nullachtfünfzehn Lehrer und es wird dem Leser schnell klar, weswegen der ältere Holmes gerade diesen Amerikaner als Tutor für seinen kleineren Bruder engagiert hat. Denn Amyus Crowe fördert mit seinem Unterricht die Kombinations-  und Beobachtungsgabe des jungen Sherlocks. Und einige Lehren wie: “Wenn ich dich verfolge, ist “nichts” genau das, was du sehen sollst” (Der Teufelsfuss) wendet der erwachsene Holmes ja auch später in seiner Beruflichen Laufbahn an. In Matty, Amos Crowe und in Crowes Tochter Virgina hat Sherlock treue Verbündete gefunden, die ihm bei der Aufklärung dieser Mysteriösen Todesfälle helfen werden.

Man kann schon jetzt das begnadete Verbrecherbekämpfende Genie Doyles heraus spüren, obwohl die jüngere Ausgabe noch nicht so genial ist wie die erwachsene Ausgabe, denn Sherlock hat noch eine Menge zu lernen. Er ist impulsiver, spontaner und lässt sich mehr von seinen Emotionen leiten. Diese Mischung bringt ihn mehr als einmal in tödliche Gefahr, denn sein Gegenspieler in diesem ersten Band ist ein Bösewicht der abscheulichsten Sorte. Ein hinter trächtiger Baron, der ein Verbrechen plant, dass das ganze Englische Weltreich in seinen Grundfesten erschüttern und vernichten könnte. Ich will Ihnen natürlich nicht zu viel verraten, außer dass Sie sehr wohl den Namen des Barons kennen, denn er wird auch in einer Originalgeschichte von Conan Doyle erwähnt.

Es gelingt Andrew Lane immer wieder, den Leser auf kleine Sachen hinzuweisen, die denjenigen, die die Originalgeschichten kennen, auffallen. Wie als Sherlock vor seinen Verfolgern flieht hört er Mycrofts Stimme in seinem Kopf die sagt: “Wenn sich alle anderen Optionen als undurchführbar erweisen, Sherlock, entscheide dich für die, die noch übrig ist – so unmöglich sie dir auch erscheinen mag.” Dies erinnert einen Augenblicklich an Sherlock Holmes Worte zu Watson in “Das Zeichen der Vier” ” Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, ist das, was übrig bleibt, und sei es noch so unglaubwürdig, die Wahrheit.”

Und als Sherlock seinem Lehrer in dessen Cottage einen Besuch abstattet, kann man an der Wohnung des Amerikaners auch Parallelen zum späteren Wohnzimmer in der Baker Street 221B erkennen und merkt, was für einen großen Einfluss dieser Mann auf den zukünftigen beratenden Detektiv ausübt:

Amys Crowes Cottage wirkte alles andere als aufgeräumt. Überall lagen Bücher, Zeitungen und Zeitschriften herum, die anscheinend einfach dort abgelegt worden waren, wo es Crowe nach der Lektüre gerade in den Sinn gekommen war. Ein Stapel Briefe war mit einem Messer das sich mitten durch die Blätter bohrte, an den hölzernen Kaminsims gepinnt, daneben war ein einzelner Pantoffel befestigt, aus dessen Öffnung eine Gruppe von Zigarren wie ausgestreckte Finger hervor lugten.

Sherlock und seinen neuen Freunden gelingt es jedoch, das Unheil vom gesamten Königreich abzuwenden und der Vierzehnjährige hat den ersten Fall seiner Karriere gelöst.


Sherlock hat sich kaum von den Strapazen und Aufregungen von seinem ersten Fall erholt, als er auch schon in seinem zweiten mit dem Titel “Das Leben ist tödlich” feststeckt

Es dauert nur wenige Seiten und Sherlock steckt schon wieder Hals über Kopf in Schwierigkeiten. Mycroft kommt aus London zu Besuch und Sherlock ist zunächst ein wenig enttäuscht, dass er eigentlich nach Farnham gekommen ist um Amyos Crowe zu sehen, denn anscheinend soll sich der totgeglaubte Attentäter von Präsident Abraham Lincoln, John Wilkes Booth, in einem Cottage ganz in der Nähe aufhalten. Myroft und Crowe sind der Ansicht, dass irgendein Komplott im Gange ist, um die Regierung der Vereinten Nationen nach dem verlorenen Bürgerkrieg zu stürzen und so die Sklaverei und die Selbstständigkeit der Südstaaten wieder herzustellen.

Trotz der Warnung seines Bruders und Lehrers, sich dieses Mal nicht einzumischen, sattelt Sherlock unverzüglich zwei Pferde, holt Matty von seinem Hausboot ab und versucht, das Cottage zu finden. Dieses Unterfangen scheitert jedoch, als er von Booth, der komplett seinen Verstand verloren hat, ins Haus gezerrt wird und nur mit Müh und Not und der Hilfe von Matty dem Verrückten und seinen Bewachern entkommen kann. Mehr als dieses Versagen  nagt natürlich die Erkenntnis an ihm, dass er sowohl seinen großen Bruder wie auch Amyus Crowe mit seiner unüberlegten, spontanen Action enttäuscht hat.

Die Situation spitzt sich zu, als die Verbrecher, um eine Verfolgung Crowes zu verhindern,  mit Matty als Geisel nach Amerika flüchten. Sherlock kann es durchsetzten, das er zusammen mit Crowe und Virginia die Verfolgung aufnehmen darf, denn schließlich ist er der Einzige, der die Gesichter der Amerikaner wiedererkennen kann. Und es wird wieder einmal sichtbar, dass Mycroft Holmes zwar immer wieder betont, nur ein kleines Rädchen in der Regierung zu sein, aber ich frage mich wirklich, welcher kleine Regierungsbeamte hat den Einfluss um mit Regierungsgeldern eine Überfahrt erster Klasse für drei Personen nach Amerika bewilligt zu bekommen? Der Abschied der Brüder ist sehr schön beschrieben und man merkt, wie nahe sich die beiden sind. Als Sherlock zu seinem großen Bruder sagt, dass er immer der zuverlässigste Punkt in seinem Leben war und er jedes Mal für ihn da war und er ihn um Rat fragen konnte. Er hätte ihn nie enttäuscht oder im Stich gelassen. Und er wird es auch nie tun. Mycroft legt ihm die Hand auf die Schulter und erwidert; dass er sich sicher ist, dass es eine Zeit geben wird, da wird er zu seinem kleinen Bruder gehen und Rat suchen wird. Wie Recht Mycroft doch hat, wenn wir an die späteren Geschichten denken, in denen er wirklich auf die Hilfe des Jüngeren Angewiesen ist.

An Bord des Schiffes macht Sherlock die Bekanntschaft des Geigenspielers Rufus Stone. Da die Beschäftigungsmöglichkeiten auf einem Schiff relativ begrenzt sind, willigt Sherlock erfreut ein, als Stone ihm vorschlägt,  das Geigenspielen beizubringen.

Ich möchte nicht mehr von der Geschichte verraten, außer dass sie äußerst spannend weitergeht. Der Leser erfährt auch, warum Sherlock Holmes in Zukunft alles über Tattoos weiß und wie wichtig sie zur Identifikation sein können. Außerdem macht sich der Junge an einer Stelle Gedanken, weil er merkt, dass er etwas Wichtiges gerade nicht sofort abrufen kann, und wie hilfreich es wäre, wenn man nur nützliche Dinge behalten und die unnützen aus seinem Gedächtnis löschen könnte.

Dies sind die beiden ersten Bände, die bis jetzt auf Deutsch erschienen sind, man kann sich aber bereits jetzt auf weitere Geschichten freuen, denn im englischen Original gibt es bereits 5 Bände.

Am Ende des zweiten Bandes gibt der Oberschurke Sherlock einen Ratschlag, indem er ihm mittteilt, dass seine Emotionen ihm bei der Logik in die Quere kommen und ihn ablenken würden. Er solle sie lieber im Zaun halten. Sherlock erwidert darauf:

“Danke für den Ratschlag, aber ich glaube ich bleibe bei meinen Emotionen, wenn Sie gestatten. Ich mag sie, gute wie schlechte.”

Es wird interessant zu lesen sein, welch einschneidende Erlebnisse passieren werden, die Sherlock Holmes zu dem Mann machen werden, den wir alle kennen, zu dem rational denkenden Genie, das die Logik über die Gefühle stellt.

Young Sherlock Holmes ist ab 12 Jahren, ist aber auch für ältere Sherlockianer spannend und interessant, denn es geht in den Büchern durchaus nicht sanft zur Sache. Es ist wirklich Jedem zu empfehlen, der mehr über die Jugendjahre von Sherlock Holmes erfahren möchte.


Der Autor

Andrew Lane wurde 1963 geboren und ist ein englischer Schriftsteller und Journalist. Er veröffentliche zahlreiche Spin-off Romane und Hörspiele die auf der BBC Serien Doctor Who basieren. Wie auch Sachbücher zu populären Film und TV Filmen wie James Bond. Er lebt zusammen mit seiner Frau, seinem Sohn und einer riesigen Sammlung von Sherlock Holmes Büchern in Dorset. Seine Leidenschaft für die original Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle machte ihn zur perfekten Wahl für das Conan Doyle Estate für Geschichten zu Sherlock Holmes als Teenager.

Bibliographische Angaben:

Deutsche Ausgaben im Fischer Verlag

“Der Tod liegt in der Luft” Band 1 

ISBN: 978-3-596-19300-4

“Das Leben ist tödlich” Band 2

ISBN: 978-3-596-19301-1

Für Diejenigen, die gerne das englische Original lesen möchten:

“Death Cloud” Band 1 ISBN: 978-0-330-51198-8

“Red Leech” Band 2 ISBN: 978-0-330-51199-5

“Black Ice” Band 3 ISBN: 978-0-330-51200-8

“Fire Storm” Band 4 ISBN: 978-0-230-75850-6

Am 27 September 2012 erscheint: “Snake Bite” Band 5 ISBN: 978-0-230-75886-5

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