Franziska Franke bringt Sherlock Holmes nach Mainz

dtshges

Rezension des Buches “Sherlock Holmes und der Mönch von Mainz”
von Philipp Elph

Bei miesestem Winterwetter jedoch in der für die Meenzer schönsten Jahreszeit, der fünften, treffen sich Sherlock Holmes und David Tristram, der bereits verschiedentlich Holmes bei schwierigen Fällen assistiert hat, in Mainz. Im Vorwort berichtet der fiktive Herausgeber von dem entdeckten Manuskript, in dem Tristram die gemeinsame Suche mit Holmes nach einem Doppelmörder im Mainz der vermutlich 1890er Jahre niedergeschrieben hat.

Der in Italien lebende Tristram reist nach Mainz, um einen Kunstbetrug aufzudecken, und trifft dort seinen Freund Sherlock Holmes wieder, der sich zu jener Zeit – wie jeder Holmes-Kenner weiß – als Mister Sigerson, norwegischer Staatsbürger, inkognito in aller Welt schwierige Kriminalfälle löst. Weshalb Holmes sich jedoch in Mainz aufhält, ist Tristram zunächst nicht bekannt.

Gemeinsam besuchen sie zunächst den Sektfabrikanten Klingelschmidt, dem eine Skulptur aus der Werkstatt von Tristrams Schwiegervater als wertvolle Antiquität aus der Zeit des Renaissance verkauft wurde. Der Besuch endet turbulent, Klingelschmidt fühlt sich betrogen und will gegen den Verkäufer und den Schöpfer der „Kopie“ juristisch vorgehen. Doch daraus wird nichts. Klingelschmidt wird noch am gleichen Abend in seinem Garten ermordet. Übel für Holmes, dass er eine Mönchskutte besitzt, die er als Faschingskostüm tragen will, und ein Zeuge behauptet, dass der Sektfabrikant von einem Mann in einer solchen Kutte ermordet wurde. Zusammen mit Tristram begibt sich Holmes auf die Suche nach dem Mörder, nachdem er dazu den Auftrag von der Gattin des Toten erhalten hat.

Die beiden Ermittler klappern Kapitel für Kapitel Bekannte des toten Sektfabrikanten ab, von denen einige ein Motiv haben könnten. Dabei lernen sie Sitten und Gebräuche der Mainzer Fastnacht, Handkäs und einige eigenartigen Typen der sogenannten feinen Gesellschaft der Stadt kennen – und diese Damen und Herren die Methode der wissenschaftlichen Deduktion des Meisterdetektivs. Doch Holmes hat große Mühe in diesem Gewirr von karnevalistischer Heiterkeit, Meenzer Klüngel und Überheblichkeit unter Klingelschmidts „Freunden“ seine Fähigkeiten mit Erfolg anzuwenden. Letztlich, so beschreibt es Tristram in diesem nun veröffentlichten, wiedergefundenen Manuskript, findet Holmes den Mörder und löst damit zugleich einen alten Fall, der sich vor vielen Jahren in London ereignete.

Franziska Franke erzählt neben diesem Kriminalfall wie befremdlich Fremde, in diesem Fall Holmes und Tristram, die Fastnacht mit den seltsamen Gebräuchen wahrnehmen. Für jemanden wie mich, der über 60 Jahre fernab des jecken Treibens gelebt hat, enthält das Buch daher einen Schmunzelfaktor. Zudem erlebe ich mit diesem Buch ein kleines Stück Mainz wie es Ende des 19.Jahrhunderts aussah und wie die Lebensverhältnisse bei Reich und auch bei Arm waren.

Ein netter Sherlock-Holmes-Pastiche und erfreulich, dass der berühmte Detektiv auch in Deutschland ein Gastspiel als Ermittler gibt, bei dem er dank seiner genialen Ermittlungsmethode dem etwas einfach agierenden Mainzer Kommissar meilenweit voraus ist und beweisen kann, dass es manchmal nicht so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Franziska Franke: Sherlock Holmes und der Mönch von Mainz, erschienen 2019 bei KBV. Dies ist Franziska Frankes 10. Band einer Reihe von Sherlock-Holmes-Patiches, angesiedelt in der Zeit, nachdem Holmes an den Schweizer Reichenbachfällen auf spektakuläre Weise verschwand.

Originalquelle: https://krimilese.wordpress.com/2019/04/29/franziska-franke-bringt-sherlock-holmes-nach-mainzsherlock-holmes-und-der-moench-von-mainz/
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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