dtshges

Im seinem vierten Sherlock Holmes-Roman entführt Wolfgang Schüler den pensionierten Meisterdetektiv und seinen Adlatus Dr. Watson nach Serbien – und das im wahrsten Sinn des Wortes, denn freiwillig hätten sich die beiden älteren Herrschaften eine solche Mission gewiss nicht aufgebürdet. Dadurch spielt der vorliegende Roman aber erstmals nicht in einer deutschen Stadt, was sich bereits durch den ungewöhnlichen Titel erahnen lässt. Wie bereits in dem Roman „Sherlock Holmes in Berlin“ so beginnt auch der vorliegende Band mit einer historischen Anekdote, die sich allerdings nur ein Jahrzehnt vor den geschilderten Ereignissen zugetragen hat. Es geht um den Putsch gegen den damaligen König von Serbien, Alexander I., dessen Tod die Grundlage für das Attentat von Sarajevo bildet. Im weiteren Verlauf gewinnt der Leser Einblick in den Werdegang des Attentäters, während alternierend die Ermittlungen von Sherlock Holmes und Dr. Watson beschrieben werden. Klassische Detektivarbeit und die berühmten Deduktionen werden jedoch nur sehr sparsam eingesetzt, der Autor hat es vielmehr genossen sein umfangreiches historisches Wissen detailliert in die Handlung einzuflechten. Das ist ihm zugegebenermaßen sehr unterhaltsam gelungen, so dass sich die Geschichte trotz der vielen Fußnoten und Anmerkungen als echter Pageturner entpuppt. So ganz nebenbei erfährt der Leser sehr viel Wissenswertes und Interessantes über das Attentat von Sarajevo, die politischen Hintergründe und Ränke, sowie den sich anschließenden Weltkrieg. Ruhm und Ehre finden Sherlock Holmes und Dr. Watson dieses Mal allerdings nicht. Vielmehr dürfen sie sich glücklich schätzen, wenn sie den Fall unbeschadet überstehen, bei dem sie wenig mehr als bloße Bauernopfer sind. Dabei ist es Wolfgang Schüler dennoch gelungen am Ende eine kleine Überraschung mit einzubauen, was die Hintermänner dieses Staatsstreiches angeht. „Sherlock Holmes und die Schwarze Hand“ ist am ehesten als historischer Polit-Thriller zu verstehen und besitzt als solcher einen hohen Unterhaltungswert, obwohl er gewiss nicht als typischer Holmes-Roman angesehen werden kann. Immerhin, Wolfgang Schüler bleibt seinem Stil treu und verleiht den Figuren von Sir Arthur Conan Doyle neue Facetten, die der Authentizität der Charaktere aber keinen Abbruch tun.
Dabei ist es ihm nicht nur gelungen eine historisch korrekte und dramaturgisch exzellente Darstellung der Ereignisse nieder zu schreiben, sondern auch den berühmtesten Detektiv der Welt vor Ort in die Handlung einzufügen und sogar zu einem Rädchen in der perfiden Maschinerie des Strippenziehers zu machen. Vor dieser Leistung allein, muss man dem Autor großen Respekt zollen.

Mit freundlicher Unterstützung von LITERRA

Author:

Schreibe einen Kommentar

Name*
Email*
Url
Your message*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.