dtshges

Wenn Soames – nicht Holmes – ermittelt

Anders als der Titel vermuten lässt, besitzt nur rund jede fünfte Geschichte einen kriminalistischen Hintergrund – die anderen haben keinen Bezug dazu. 29 Storys beleuchten die detektivische Arbeit des Gespanns „Hemlock Soames“ und „Dr. Whatsup“, die in der Bakerstreet 222 B leben – gegenüber von 221 B, dem Wohnort der berühmten Protagonisten aus den Erzählungen Arthur Conan Doyles (1869-1930). Und so wie Sherlock Holmes sich mit seinem Erzfeind Professor Moriarty konfrontiert sah, hat auch Hemlock Soames einen namens Professor Mogiarty.

Stewart entwickelt in seinen Detektivgeschichten eine reiche Fantasie und erweist sich als würdiger Nachfolger Doyles. Wer sich für mathematische Probleme interessiert und nichts dagegen hat, diese in Form fiktiver, humorvoller Kriminalfälle präsentiert zu bekommen, dem wird das Werk gefallen. In den „Erinnerungen des Dr. Whatsup“ beispielsweise thematisiert Stewart die Suche nach den kleinsten Tripeln (a, b, c) und (A, B, C) von ganzen Zahlen, für die sowohl a·b·c = A·B·C gilt als auch a+b+c = A+B+C. Daraus entwickelt er eine Erzählung mit mysteriös verpackten Schachteln gleichen Volumens sowie ganzzahliger Länge, Breite und Höhe, die auf sieben Seiten ausgesponnen schließlich zur Klärung eines Mordfalls beitragen.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Abschnitte des Buchs unabhängig voneinander lesbar. Die meisten verlangen keine besonderen mathematischen Vorkenntnisse, sind aber trotzdem auch für Mathematiker interessant. 150 „Geschichten“ nehmen 320 Seiten in Anspruch, deren Lösungen einschließlich zahlreicher Literaturhinweise weitere 80 Seiten. Der aus dem Englischen übersetzte Text ist im Allgemeinen leicht verständlich, manchmal allerdings empfiehlt sich zweimaliges Lesen, um alle Feinheiten nachzuvollziehen. Dem Rezensenten ist nur ein offensichtlicher Übersetzungsfehler aufgefallen: die Verwechslung des Begriffs „Exponent“ mit „Potenz“. Warum die Übersetzer allerdings (ebenso wie die anderer Werke) „perfect squares“ zu „perfekten Quadraten“ gemacht haben statt schlicht zu „Quadratzahlen“, bleibt ein Rätsel.

(c) Rezension von Heinz Klaus Strick

Author:

Schreibe einen Kommentar

Name*
Email*
Url
Your message*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.