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Erwartet hatte ich ein nette, unterhaltsame Sherlock-Holmes -Pastiche.

Bekommen habe ich einen zeitlich geschickt in die von Sir Arthur Conan Doyle verfassten Abenteuer des Sherlock Holmes eingefügten Kriminalroman. Über die Zeit zwischen Holmes vorgetäuschten Tod an den Reichenbachfällen und seiner Rückkehr nach London Jahre später wussten wir bisher wenig. Ja, er war unter dem Namen Sven Sigerson untergetaucht und, ja, verschiedene Autoren berichten von seinen Abenteuern in Tibet, so Jamyang Norbu und Richard Wincoe. Ausführlicher – und jetzt bereits zum siebten Mal – zeichnet Franziska Franke den Weg von Sherlock Holmes während der Zeit seines Exils auf. Zwar konnte Watson in dieser Periode den Detektiv nicht begleiten, die Rolle des Chronisten hat in Frankes Romanen der Engländer David Tristram übernommen, der mit einer Italienerin verheiratet ist und in Florenz lebt. Wie es nun dazu gekommen ist, dass diese Geschichte in Florenz entdeckt, der Leserschaft von Sherlock Holmes’ Abenteuern zugänglich gemacht wurde und wie sie zeitlich in die Vita des Detektivs einzuordnen ist, wird im „Vorwort des Herausgebers“ beschrieben.

Zum Glück hat durch die Ereignisse an den Reichenbachfällen weder Holmes’ logisches Denkvermögen noch dessen Intuition und die Fähigkeit durch deduktive Schlüsse Kriminalfälle zu lösen gelitten. So jedenfalls wird auch hier bekanntes Verhalten und geniale Vorgehensweise von Holmes beschrieben. Des Weiteren bedient sich der Chronist einer ähnlichen Ausdrucksweise wie wir sie von Dr. Watson kennen, auch von Wesen und Charakter scheint er sich nicht wesentlich von diesem zu unterscheiden.

Übertroffen wurden meine Erwartungen besonders durch ein Element dieses Romans: Der Beschreibung der ägyptischen Städte Kairo und Alessandria und der Lebensweise dort gegen Ende des 19. Jahrhunderts sowie der Grabgräberrausch jener Zeit, Ägyptomanie genannt. (In Wikipedia: Es gehörte zum guten Ton, eine Ausgrabung zu finanzieren, selbst daran teilzunehmen oder zumindest eine Reise nach Ägypten zu unternehmen und Kunstgegenstände mitzubringen. Unter den Reiseandenken waren oft auch Mumien die dann als Höhepunkt bei einer Abendgesellschaft ausgewickelt wurden.)

Klassische Archäologie hat Franziska Franke neben Kunstgeschichte und Kunstpädagogik studiert. Hier verknüpft sie auf lesenswerte Weise das Verbrechen, das Sherlock Holmes in Ägypten aufklärt, mit dem, was zu jener Zeit in Ägypten passierte. In dieser Verbindung ist Sherlock Holmes und das Geheimnis der Pyramiden nicht nur für Sherlockianer sondern auch für Leser interessant, die geschichtliche Bezüge in Krimis lieben – für Freunde des gepflegten Kriminalromans sowieso.

Das Personal – so viel sei zum Schluss noch angemerkt – besteht hier aus skurrilen englischen Archäologen, die in Konkurrenz um die potenziellen Fundstätten stehen, lokalen und zwielichtigen Geschäftsleuten und anderen Kriminellen sowie dem bekannten Detektiv, der zu „Lebzeiten“ in 221B Baker Street, London, lebte und experimentierte, seinem damaligen Chronisten nebst dessen Frau und einigen anderen Mitwirkenden, von denen die meisten dieses Abenteuer überlebten, zwei jedoch nicht.

(c) Rezension von Heinz Bielstein


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