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SH MoriartyDie Auseinandersetzung zwischen Sherlock Holmes und seinem Erzfeind Moriarty, der im Original-Kanon übrigens nur dreimal erwähnt wird und lediglich in einer einzigen Geschichte persönlich in Erscheinung tritt, gehört zu den wichtigsten Schlüsselerlebnissen im Leben des Meisterdetektivs und dient als Grundlage für unzählige Pastiches und Neuinterpretationen.

In dem vorliegenden Werk hat sich nun auch der österreichische Krimiautor J.J. Preyer der Thematik angenommen. In seinem vierten Holmes-Roman stellt er die interessante Frage was Holmes’ Erzfeind Moriarty und der irische Schriftsteller Oscar Wilde gemeinsam haben? Dabei geizt Preyer auch nicht mit brisanten Neuinterpretationen und gewagten Hypothesen über Professor Moriarty und dessen Vergangenheit, und auch über Dr. Watsons erste Frau Mary Morstan erfährt der Leser etwas höchst Erstaunliches. Ihre Rolle im doyleschen Kanon ist ebenfalls äußerst mysteriös, denn über ihren Tod hat Watson bisher nichts verlauten lassen. Wie immer glänzt Preyer auch dieses Mal durch gewissenhafte Recherche und originelle Einfälle, die jedoch oftmals nur sehr beiläufig in die Handlung eingeflochten wurden. Der Roman platzt durch die enorme Fülle an Fakten und Handlungen beinahe aus den Nähten und die Charaktere, egal ob Haupt- oder Nebenfiguren, haben während der 220 Seiten kaum Gelegenheit sich entsprechend zu entfalten und zu entwickeln. Tatsächlich haben die Figuren außer dem Namen nach nur wenig mit Doyles Charakteren gemein. Insbesondere Holmes mangelt es an Exzentrik, Arroganz und Genialität. Erschwerend kommen ein auktorialer Erzählstil und häufige Perspektivenwechsel hinzu, so dass eine Identifikation mit einzelnen Figuren zusätzlich erschwert wird. Nach der Lektüre bleibt der fade Beigeschmack, dass die Geschichte mit doppelter Seitenzahl und entsprechender Ausarbeitung der einzelnen Handlungsaspekte richtig gut hätte werden können. So bleibt die „Moriarty-Lüge“ lediglich ein gutgemeinter Versuch dem Erzfeind des Meisterdetektivs einen plausiblen Hintergrund zu geben.

Mark Freier schuf für den Roman eine grandiose Covergrafik von intensiver Atmosphäre. Das Taschenbuch ist von exzellenter Qualität und seinen Preis durchaus wert.

Fazit: Interessanter und einfallsreicher Sherlock-Holmes-Roman, dem es leider an Atmosphäre mangelt. Die Fülle an originellen Einfällen überfrachtet den vergleichsweise kurzen Roman maßlos.

Mit freundlicher Unterstützung von LITERRA

J.J. Preyer
Sherlock Holmes und die Moriarty-Lüge
BLITZ Verlag
ISBN: 9783898403368

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