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BerlinEin Jahr nachdem Wolfgang Schüler den beratenden Detektiv im Ruhestand bereits nach Leipzig schickte, fordert erneut ein Fall in einer deutschen Stadt die Aufmerksamkeit von Sherlock Holmes. Während sich Franziska Franke mit den Abenteuern des Detektivs nach seinem angeblichen Tod an den Reichenbachfällen widmet, hat es sich Wolfgang Schüler zur Aufgabe gemacht das Leben von Holmes im Ruhestand und seine Ausflüge nach Deutschland zu dokumentieren. Dass der Meisterdetektiv eher zufällig in den Fall involviert wird ist dabei nebensächlich. Wie schon in seinem Holmes-Debüt trifft er den Charakter der Figuren von Sir Arthur Conan Doyle vortrefflich. Während der Genussmensch und Lebemann Watson versucht sich an die deutsche Küche zu gewöhnen, gilt das Interesse von Holmes in erster Linie den kriminalistischen Aspekten. Das Berlin am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde von Schüler sehr anschaulich und lebendig geschildert, und obwohl Holmes und Watson erst recht spät zum eigentlichen Fall kommen, ist der Roman sehr spannend geschrieben mit einer guten Portion trockenen, englischen Witzes. In diversen Rückblicken erlebt der Leser die Odyssee des sagenumwobenen Goldschatzes über die Jahrhunderte hinweg mit und bekommt dadurch einen größeren Einblick in das Geschehen als Holmes selbst. Die Geschichte wird darüber hinaus nicht ausschließlich aus Sicht von Dr. Watson erzählt, sondern besitzt der Dramaturgie wegen auch auktorial verfasste Kapitel. Während der Leser in dem Leipzig-Roman noch von historischen Fakten und lokalen Details bombardiert wurde, egal ob sie der Handlung dienlich waren oder nicht, so wurden die ordentlich recherchierten Begebenheiten im vorliegenden Roman sehr viel sparsamer gestreut und fügen sich harmonischer in das Gesamtbild ein. Allerdings sind  Autor und Lektor offensichtlich auch der eine oder andere Schnitzer durch die Lappen gegangen, denn das Sprichwort „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“ wird allgemein dem Dichter Friedrich Schiller zugeschrieben und nicht Shakespeare. Nichtsdestotrotz ist das Berlin-Abenteuer, das sich kein echter Holmesianer entgehen lassen sollte. Ebenso sollten Freunde gepflegter Kriminalromane zugreifen, die mehr Wert auf eine raffinierte, historisch korrekte Handlung legen, als auf blutige Morde und psychisch labile Ermittler, wie sie zur Zeit so modern sind.

Die Gestaltung des Taschenbuchs fügt sich hervorragend in das minimalistische Layout der HOLMES-Reihe aus dem KBV-Verlag ein. Ein wunderschön detailliertes Gemälde des historischen Berlins unterstreicht gekonnt die Atmosphäre des Romans.

Fazit

Vortrefflich geratenes Abenteuer mit Sherlock Holmes und Dr. Watson. Hervorragend charakterisiert und raffiniert in Szene gesetzt. Auch in Deutschland zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts beweist Sherlock Holmes, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. (FH)

Mit freundlicher Unterstützung von LITERRA


Wolfgang Schüler
Sherlock Holmes in Berlin
KBV Verlag, März 2012,
ISBN: 9783942446464

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